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Die Mittelmäßigkeit des Mittelalters: Periodisierung der europäischen Geschichte

Die Mittelmäßigkeit des Mittelalters: Periodisierung der europäischen Geschichte

Die Mittelmäßigkeit des Mittelalters: Periodisierung der europäischen Geschichte

Wagner, David L.

Essays in Medieval Studies, vol. 5 (1988)

Abstrakt

Die Periodisierung ist meines Erachtens ein wesentliches Instrument des Historikers, das für den Historiker, der sich mit langen Zeiträumen befasst, unverzichtbar ist. Mittelalterler, von denen die meisten von den Erfordernissen der akademischen Welt verlangt werden, das gesamte Mittelalter in ihren Klassen zu untersuchen, können es daher nicht vermeiden, sich dem Problem der Periodisierung zu stellen. Das Problem tritt in der mittelalterlichen Geschichte sowohl im weiten als auch im engeren Sinne auf: im weitesten Sinne wirft die Vorstellung eines „mittleren“ Zeitalters zwischen der Antike und der modernen Welt Fragen nach Anfang und Ende auf; und eng, da innerhalb dieser Zeitspanne von weit über tausend Jahren mehrere unterschiedliche Phasen unterschieden werden können. Darüber hinaus gibt es einen ganz bestimmten Grund, warum Mittelalterler das Thema Periodisierung nicht vermeiden können. Das Konzept, das ihr Fachgebiet identifiziert, entstand in einer Tradition, die auf einer bestimmten Theorie der Periodisierung beruhte. Denn die Idee eines „Mittelalters“ entstand bekanntlich im Zusammenhang mit der Entwicklung des Renaissance-Konzepts, das begann, als sich die italienischen Humanisten als Beginn einer neuen Ära betrachteten. Wie andere Begriffe, mit denen es ursprünglich als „gotisch“ und „dunkles Zeitalter“ assoziiert wurde, hatte der Begriff „Mittelalter“ ursprünglich eine abwertende Konnotation.

Vielleicht hat der Begriff inzwischen seine negative Konnotation verloren und wird in einem neutralen Sinne verwendet, wie dies eindeutig für „Gothic“ gilt. Ein solches Ereignis ist bei Periodenbegriffen nicht ungewöhnlich: „Barock“ ist ein weiteres Beispiel. Einige Begriffe wie „Renaissance“ werden jedoch wahrscheinlich nie vollständig ihre ursprüngliche Konnotation verlieren. Noch heute deutet „Mittelalter“ auf eine Übergangszeit hin, deren Identität also von seiner Beziehung zu den vorhergehenden und nachfolgenden Perioden abhängt, was das Mittelalter diesen Klammer-Epochen irgendwie unterlegen zu machen scheint. Die Periodisierung der mittelalterlichen Geschichte wirft besonders kritische Probleme auf und wird das Thema dieses Papiers sein. Dennoch werde ich zunächst die Periodisierung der westlichen Zivilisation allgemeiner untersuchen. Mein Ziel ist es, diese Periodisierung auf möglichst breite Kriterien zu stützen.


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