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Die Autobiographie Abaelards und des mittelalterlichen Individualismus

Die Autobiographie Abaelards und des mittelalterlichen Individualismus

Die Autobiographie Abaelards und des mittelalterlichen Individualismus

Von Sverre Bagge

Zeitschrift für mittelalterliche GeschichteVol. 19: 4 (1993)

Abstract: Dieser Artikel beschreibt AbaelardsHistoria Calamitatum im Zusammenhang mit der Debatte über "das Individuum" oder "Individualismus" im Mittelalter, die zwischen Anhängern der "Renaissance des 12. Jahrhunderts" und Gelehrten geführt wurde, die die Entstehung des modernen Individuums in neueren Perioden stellten. Die Schlussfolgerung stützt weitgehend den letzteren Standpunkt. Abaelard erzählt keine fortlaufende Geschichte seines Lebens, er beschreibt keine Bekehrung oder ein neues Verständnis seines eigenen Selbst als Ergebnis seiner tragischen Erfahrung und als Intellektueller betont er nicht sein eigenes unabhängiges Denken im Gegensatz zu seinem Umfeld. Im Gegensatz dazu versteht er sein eigenes Leben anhand von Modellen aus der heiligen Geschichte, die der zeitgenössischen Idee der Typologie entsprechen. Seine anschauliche Beschreibung der tragischen Ereignisse seines Lebens und seiner eigenen Reaktionen darauf enthält jedoch ein starkes Element der Subjektivität, und seine Betonung auf Verdienst und nicht auf Status im Wettbewerb mit anderen Intellektuellen ist in gewissem Sinne individualistisch. In dieser Hinsicht kann Abaelard auch als repräsentativ für eine weiter verbreitete Haltung im zeitgenössischen wissenschaftlichen Milieu angesehen werden. Abschließend ist anzumerken, dass gegen die Renaissance oder den frühneuzeitlichen Individualismus ähnliche Einwände erhoben werden können wie gegen die hier angeführtenHistoria Calamitatum als Ausdruck des mittelalterlichen Individualismus.


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